Dem Niedriglohn kann niemand entkommen
Dem Niedriglohn kann niemand entkommen…so könnte man etwas überspitzt die neue Studie zum Niedriglohnsektor auf den Punkt bringen.
Auch du nicht! Wer meint, ein Berufsabschluss oder ein Hochschulabschluss sorge dafür, dass man auch gut bezahlt und von seiner Arbeit leben kann, der irrt gewaltig.
Armut ist keine Randerscheinung mehr, sondern soweit verbreitet dass sie Gewohnheit geworden ist. Einst galt die Formel: Die nächste Generation lebt immer besser als die vorherige. Diese Formel gilt nicht mehr, wir Jugendlichen werden schlechter leben als unsere Eltern.
Der Niedriglohnsektor, beschränkt sich schon lange nicht mehr auf unqualifizierte oder gering qualifizierte Arbeitskräfte. Beschäftigte ohne abgeschlossene Berufsausbildung stellen 2007 nur noch knapp 21% aller Niedriglohnbeschäftigten. Der Anteil der Niedriglohnbeschäftigten mit einer abgeschlossenen Berufsausbildung hat sich deutlich erhöht von 58,5% in 1995 auf 70,8% in 2007.
Aber das interessiert dich nicht? Du strebst einen Hochschulabschluss an?
Auch mit einer akademischen Berufslaufbahn bist du vom Niedriglohnsektor betroffen. Denn je größer der Niedriglohnsektor und je geringer der Durchschnittslohn, desto mehr Druck wird auch auf reguläre Löhne ausgeübt. Außerdem sind mittlerweile schon 7,6% der Hochschulabsolventen im Niedriglohnbereich REGULÄR tätig. (Also kein Ferien, Studenten oder Teilzeitjob, sondern zum Erwerb ihres Lebensunterhaltes).
Diese Tendenz der Prekarisierung der qualifizierten Schichten, wird weiter zunehmen. Der Bachelor- Master Studiengang wird sein übriges tun.
Auch interessant ist, dass viele Studenten gar nicht wissen, dass der Bachelor Abschluss nicht automatisch zu einem Masterstudiengang führt. Da es nur extrem wenige Plätze für einen Masterstudiengang gibt, bleiben diese natürlich den Semesterbesten vorbehalten. Der Rest muss mit dem Bachelor auf dem Arbeitsmarkt anheuern…
Und ratet mal wer da gierig auf euch wartet? Geeenau, der Niedriglohn. Besser kann es für ein Unternehmen gar nicht laufen, eine hochqualifizierte Arbeitskraft für ein bisschen Kleingeld anstellen, ist ein gutes Geschäft, oder nicht?
Insbesondere wir jungen Menschen arbeiten überdurchschnittlich im Niedriglohnbereich: Waren 1995 noch 29,3% von uns (Unter 25 Jahren) im Niedriglohnsektor tätig sind wir 2007 schon zu 46,9 % im Niedriglohnbereich vertreten. Also fast jeder Zweite unserer Generation arbeitet für einen Hungerlohn.
Dies ist eine extrem bedrohliche Tendenz, insbesondere in anbetracht der wahrscheinlich noch mehrere Jahre anhaltenden Wirtschaftskrise. Uns wird die Krise wahrscheinlich am härtesten und stärksten treffen. Die angegeben Statistiken werden sich wahrscheinlich noch verschlechtern, da sich die Zahlen auf die Boom Phase des letzten Aufschwungs beziehen.
Die Armut hat sich wie eine Sinnflut ausgebreitet und weite Teile der Gesellschaft erfasst.
Es gibt zwei Alternativen für dich:
Die Erste wäre, du bringst noch mehr Leistung, noch mehr Zeit und noch mehr Kraft auf, damit du deine vermeintlichen Berufskollegen, Kommilitonen und Freunden auf dem Arbeitsplatzmarkt ausschalten und dir eine der wenigen, sicheren und gut bezahlten Arbeitsplätze sichern kannst.
Die Zweite und die schwierigere Alternative wäre: Du organisierst dich mit deinen Berufskollegen, Kommilitonen und Freunden gewerkschaftlich und politisch und fängst an deine Interessen gemeinschaftlich zu vertreten, damit du, deine Freunde, und auch deine Kinder ein Leben in sozialer Sicherheit und unter menschenwürdigen Verhältnissen leben können.
Der Mensch ist nicht dem Menschen ein Wolf, aber in diesem Wirtschaftssystem wird er dazu gemacht. Lass dich nicht von den Verhältnissen bestimmen, bestimme selbst die Verhältnisse!
Organisiere dich gegen den Lohnklau und Zukunftsraub!
Am 15. Juli 2009 um 18:29 Uhr
Sehr geiles, gut gemachtes, unterhaltsames und trotzdem informatives Video. Danke fürs Raussuchen, Onur.