Nationale VollidiotInnen

logoSie fordern Tierschutz, setzen sich gegen Vergewaltigungen, besonders von Kindern ein, wollen, dass Mütter „Müttergeld“ bekommen, um sich ganz um die Kinder kümmern zu können, möchten sogar die Umwelt schützen und den menschenfeindlichen Kapitalismus einschränken.
So schön das auch alles klingt, so unschön sind die wahren Hintergründe, Gedanken und die Gruppen hinter diesen Forderungen.
Alles oben Aufgezählte lässt sich nämlich auf neofaschistischen Homepages nachlesen, meist von sogenannten „Autonomen Nationalisten“ oder „Freien Kameradschaften“.


Der zentrale Unterschied zwischen diesen Gruppen und schon länger existierenden (Neo)Nazi-Sammelbecken wie z.B. der NPD besteht meiner Auffassung nach darin, dass die „Nazis 2.0“, besonders die „Autonomen Nationalisten“ sehr viel Wert darauf legen, auf moderne Weise Jugendliche anzusprechen. Hierzu werden linke, besonders autonome Logos, Kleidungsstile, Organisations- und Aktionsformen und nicht zuletzt Themen übernommen und mit braunem Anstrich versehen. Verwechslungen der verschiedenen Symbole und Gruppen werden nicht nur billigend in Kauf genommen, sondern sogar bewusst provoziert. So verwenden viele „autonome“ Nazis das Bild der Antifa – Fahne, nur dass die dann plötzlich in die andere Richtung weht. Andere Beispiele sind das linke „Good Night white Pride“ Logo, aus dem die Nazis „Good Night Left Side“ machten, oder der autonome Kleidungsstil: schwarze Kleidung, Kapuzenpulli, vermummt… mit dem sich „Autonome Nationalisten“ mittlerweile häufig auf Demos zeigen.
Selbst den Antikriegstag möchten die Nazis für ihre Zwecke missbrauchen (es wird dieses Jahr zu einem „Nationalen Antikriegstag“ aufgerufen).

Warum das alles? Können Nazis nicht ihre eigenen Subkulturen und Logos entwickeln?
Die wohl einleuchtendste Erklärung ist die, dass linke Jugendkultur relativ „trendy“ ist. Der Kleidungsstil, die Sprüche und Logos sind allgegenwärtig geworden. Es wird wenige Menschen geben, die noch nie irgendwo einen Antifasticker kleben sehen haben.
Die alten nationalistische „Szene“ hatte dagegen lange Zeit das Problem, dass sie mit ihrem traditionsbetonten Auftreten, ihrer komisch anmutenden Brauch- und Heimatpflege und ihren engen Dresscodes so wie einer kaum vorhandenen Auswahl zwischen verschiedenen Lebensentwürfen (Schon mal einen schwulen Nazi gesehen? ) am Rand der Gesellschaft stand.
Nationalismus war schon wegen seines langweiligen Auftretens für viele Menschen (besonders Jugendliche) uninteressant.
Genau das versuchen die modernen „Autonomen Nationalisten“ zu ändern: Sie bieten spaß- und aktionsorientierten Nationalismus an, indem sie neue Themen übernehmen, z.B. „Tierschutz“, „Kapitalismuskritik“ oder die „Todesstrafe für Kinderschänder“, neue Kleidungsmöglichkeiten für FaschistInnen anbieten und rechte Musik aus fast jedem Genre. Und bei einem oberflächlichen Blick auf die Gruppen fallen Einige auf die schöne und interessante Fassade herein.

Bei einem genaueren Blick auf einige scheinbar guten und menschenfreundlichen Forderungen wird klar, dass im Grunde die alten rassistischen Vorurteile in einer neuen Verpackung verkauft und oberflächlich „begründet“ werden.

„Nationaler Tierschutz/Tierrechte“
Durch die Besetzung dieses Themas heucheln NationalistInnen Mitleid mit nichtmenschlichen Tieren und erwecken den Eindruck, als ob sie deren unnötiges Leiden verhindern wollen. In Wirklichkeit geht es in erster Linie darum, einerseits das Thema für Eigenwerbung zu nutzen und andererseits über die Hinweise darauf, wie grausam traditonelle religiöse Schlachtungen sind, rassistische Vorurteile vermitteln zu können. NationalistInnen analysieren nicht etwa die systematische Unterdrückung nichtmenschlicher Tiere durch die menschliche Spezies, denn eine solche Analyse würde in beängstigendem Maße Parallelen zu ihrem eigenen rassistischen Weltbild aufdecken. Stattdessen sind die bösen, islamistischen AusländerInnen schuld, die nach religiösen Regeln schlachten.

Die Forderung nach Lohn für Mütter
Diese Forderung ist im Programm der NPD und auch bei vielen „autonomen“ nationalistischen Gruppen zu finden.
Hier treten die sexistischen Ansichten der Nazis deutlich hervor. Obwohl der Eindruck vermittelt werden soll, dass auf diese Weise sowohl den Kindern geholfen wäre, weil ihre Mütter nicht mehr arbeiten „müssen“ und dadurch mehr Zeit haben, als auch den Müttern, aus den gleichen Gründen offenbart sich beim zweiten Blick dem /der LeserIn das antiquierte Weltbild der FaschistInnen: Statt mit einem eigenen Beruf unabhängig und emanzipiert zu werden und die Kindererziehung fair zwischen den PartnerInnen aufzuteilen, soll die Frau für das Kinderbekommen und -erziehen bezahlt werden. Das ist ja schließlich ihre Aufgabe – zumindest im Weltbild alter und neuer FaschistInnen.

„Todesstrafe für Kinderschänder“
Mal ganz abgesehen davon, dass diese Forderung alles andere als vereinbar mit einer demokratischen, humanistischen Gesellschaft ist, widerspricht sie der Idee, dass eine „Strafe“ der Resozialisierung des Täters / der Täterin dienen sollte, und nicht nur dem Schutz der Allgemeinheit, mit dem die Nazis ihre Forderung nach der Todesstrafe begründen:

„Einzig und allein der Tod dieser Personen kann Sicherheit geben, dass Kinder vor weiteren Misshandlungen und sexuellem Missbrauch geschützt sind. (…) Nur Dies kann die absolute Sicherheit geben, das sich diese Bestien nie wieder an unschuldigen Kindern vergehen.“
Quelle: http://logr.org/ahlen/2009/07/09/todesstrafe-fur-kinderschander-wenn-die-gerichte-versagen-sind-wir-gefragt/

Darüber hinaus können Nazis diese Forderung als Gelegenheit nutzen, um ihre Ansichten, Menschen seien unterschiedlich viel wert, zu verbreiten, da die Debatte in der Regel emotional sehr aufgeheizt ist, und die Menschen sich in diesem Zusammenhang weniger an der Verwendung von Begriffen wie „Untermensch“ stören.

Insgesamt lässt sich sagen, dass die „Autonomen Nationalisten“ ein Beispiel dafür sind, wie Nazis versuchen, linke Kleidung, Logos und besonders Themen zu übernehmen und mit neofaschistischen Inhalten neu zu besetzen.
Aber auch die neue Verpackung ändert nichts an den rassistischen, sexistischen, xenophoben und menschenfeindlichen Forderungen neofaschistischer Gruppen.

Deshalb ist Faschismus noch immer keine Meinung, sondern ein Verbrechen!!!

Ich distanziere mich übrigens ausdrücklich von den Inhalten aller verlinkten Seiten!

Einen Kommentar schreiben

-->