Stellungnahme der Linksjugend zum Kulturkombinat Kamp!

Stellungnahme der Linksjugend Bielefeld zur Nichtverlängerung des Nutzungsvertrages für das Kulturkombinat Kamp:

Traurig mussten wir zur Kenntnis nehmen, dass dem Kulturkombinat Kamp der Nutzungsvertrag nicht verlängert wurde und somit zum Ende des Jahres das Kinder- und Jugendzentrum nicht mehr als Kulturort nutzen kann.
Es ist vollkommen nachvollziehbar, dass sich jetzt Protest regt und wir diesen unterstützen werden,
jedoch sind gegenseitige Anschuldigungen seitens der bielefelder Falken oder seitens diverser Kulturveranstalter der Stadt völlig unproduktiv, egal wie der Zeitablauf der Inkenntnissetzung und der Pressemitteilungen war.
Dass es nicht so bleibt im Kamp wie bisher, war in Anbetracht des neuen Kinderbildungsgesetzes (KiBiZ) absehbar. Die U3-Kinderbetreuung, die Kinderbetreuung am Nachmittag und der Kulturveranstalter teilen sich eine Etage, was dem KiBiZ zu wider läuft. Somit gibt das Kamp nicht genug Räumlichkeiten her, um all das zu beherbergen. Die Anforderungen der Stadt an den Träger des Hauses, die Falken, beinhaltet den Ausbau der gegebenen Räumlichkeiten für die offene Kinder- und Jugendarbeit einschließlich der U3-Kinderbetreuung.
Die Situation ist also schon seit längerer Zeit den Akteuren bekannt, jedoch ist sie nie öffentlich so diskutiert worden. Zunächst einmal ist wichtig zu sagen, dass die U3 Betreuung gerade im Westen sehr wichtig ist, da hier noch großer Mangel herrscht. Jedoch ist auch ein Kulturveranstalter wie das Kulturkombinat sehr wichtig und auch einmalig mit dieser Historie für Bielefeld.
Ein reines Abwägen, was wichtiger ist, ist eine vollkommen falsche Herangehensweise.
Wichtig zu betonen ist, dass Bielefeld beides Braucht.

Angefangen mit der Auslagerung der Jugendarbeit, aus öffentlicher Hand in die Hand der Vereine, hat man vor einiger Zeit schon versucht kosten einzusparen und nun zeigen sich die ersten Auswirkungen. Es sollen immer mehr Aufgaben übernommen werden, für die weder neue Räumlichkeiten noch bedeutend mehr Geld zur Verfügung gestellt wird.
Die Konsequenz ist, dass Leistungen für Kinder und Jugendliche gestrichen werden, da sie, aus welchen Gründen auch immer, nicht mehr zu realisieren sind.
Die Stadt und ehemals für Jugendarbeit zuständige öffentliche Stellen haben sich nun aus der Affäre gezogen.
Das Angebot der Falken ist es, mit dem Kulturkombinat und der Stadt nach neuen Räumlichkeiten zu suchen, um den unkommerziellen Kulturbetrieb in der Stadt zu sichern und die Arbeits- und Ausbildungsplätze des Kulturkombinats zu erhalten.
Doch in Anbetracht der Auflagen für Kulturveranstaltungen (Lärm- und Brandschutz, Parkplätze, Notausgänge, etc.) wird diese Suche mehr als schwierig und dazu kommt, dass das Kulturkombinat dann die Kosten für diese Räumlichkeiten alleine Tragen muss – unkommerzielle Kulturarbeit ist so nicht mehr möglich.
Wenn nun neue Räumlichkeiten gesucht werden müssen, so ist die Frage, ob das Kulturkombinat ausziehen muss oder aber auch die U3 Betreuung nicht neue geeignetere Räumlichkeiten erhalten sollte. Der Ausbau der U3 Betreuung ist schließlich sehr wichtig und im Kamp steht nur begrenzt Platz für diese Aufgabe zur Verfügung. Des weiteren sind die Fördermittel der U3 Betreuung anders als die für Kulturveranstalter. Bei dieser Aufgabe ist es auf jeden Fall wichtig zu erwähnen, dass die handelnden Akteure nicht nur das Kulturkombinat Kamp und die Falken sind, sondern die Stadt hier auch direkt in der Verantwortung steht, die Angebote für Kinder und Jugendliche in Bielefeld wenigstens aufrecht zu erhalten.

Die Proteste der nächsten Wochen sollten sich also nicht gegen die Falken richten, die mit ihrer offenen Kinder- und Jugendarbeit einen großen Dienst für die Gesellschaft leisten, nachdem die Stadt diesen vor Jahren privatisiert hat.

Daher sind unsere Vorschläge, wie man diesen Streit beilegen kann und allen Forderungen gerecht wird:
- bis eine Lösung für das Raumproblem gefunden ist, soll dem Kulturkombinat die Nutzung des Kamps gestattet bleiben
- Erlassung der Grund- und Gewerbesteuern für die neuen Räumlichkeiten des Kulturkombinats oder der U3 Betreuung

und langfristig:
- Überarbeitung des KiBiZ und Abbau von Schikanen für offene Kinder- und Jugendarbeit und Kulturveranstaltern
- finanzielle Unterstützung von unkommerzieller Kulturarbeit statt (Aus)Bau von Prestige-Objekten wie der Rudolf-Oetker-Halle oder der Stadthalle!

Beteiligt euch bei den Protesten, unterstützt die Unterschriften-Sammlung des Kulturkombinats und stellt klar, wer Schuld an diesem Debakel ist!

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