Bundeswehr wirbt Jugendliche auf der Berufsinformationsbörse an
‘nen Arbeitgeber, wie jeder andere?
Im Rahmen der Berufsinformationsbörse (BIB) an der Carl-Severing Schule in Bielefeld vom 14.-15. Oktober präsentierte sich auch die Bundeswehr vor jungen Schülerinnen und Schülern.
Die Linksjugend Bielefeld protestierte in Kooperation mit der Partei die Linke dagegen mit Flyern und Aufklebern, denn Jugendliche dürfen nicht die Zielgruppe einer Kriegsinstitution sein!
Die Bundeswehr stellte sich auf der Berufsinformationsbörse selbstverständlich in ein gutes Licht und erklärte auf einem Vortrag, dass Löhne wie bei keinem zweiten Arbeitgeber gezahlt würden und man ja auch „jede Menge von der Welt zu sehen“ bekäme…
Fairer weise erwähnte die gute Dame bei ihrem Vortrag am Samstag vor rund acht mäßig interessierten Schülerinnen und Schülern und drei AktivistInnen der Linksjugend Bielefeld, dass man sich schon mit Auslandseinsätzen arrangieren müsse, um für den Bund geeignet zu sein. Jede/r Soldat/in, der/die im Auslandseinsatz tätig war, bekäme auch im Anschluss eine großzügige, mehrwöchige Pause zugeschrieben.
Eine Pause in der einige SoldatInnen es nicht schaffen Erlebtes aus Kriegsgebieten zu verarbeiten.
Immer mehr Soldaten kommen mit psychischen Erkrankungen aus ihrem Einsatzgebiet zurück und haben es schwer wieder in die Gesellschaft zu finden.
Traumatisierte, verletzte und gefallene SoldatInnen – Das wird immer mehr zur Realität.
Krieg ist keine Berufsperspektive!
…Und deshalb hat die Bundeswehr rein gar nichts auf einer Berufsinformationsbörse zu suchen, wo Kinder und Jugendliche sich ernsthaft mit ihrer Zukunft und den Möglichkeiten, die sich für sie auftun, auseinandersetzen möchten. Ohne Waffengewalt und psychischer Belastung.
Dass die Risiken von Seiten der Bundeswehr nicht erwähnt wurden und beim Hinterfragen Beschwichtigungsarbeit geleistet wurde, grenzt an Kriminalität!
Die Bundeswehr zeigt nun unter anderem auch vermehrt an Schulen Präsenz, da sie nach der Aussetzung der Wehrpflicht auf ein massives Problem stößt: Kaum ein Jugendlicher entscheidet sich für eine freiwillige Zeit beim Bund, um zu lernen wie man mit Waffen hantiert.
Immer weniger Menschen haben Interesse für wirtschaftliche Interessen den Kopf hinzuhalten!
Im Allgemeinen waren die zwei Tage auf der BIB für die Bundeswehr nur wenig von Erfolg gekrönt. Über 2000 Flyer und zahllose Aufkleber wurden an die BesucherInnen verteilt und haben hoffentlich einen bleibenden Eindruck bei allen Akteuren hinterlassen. Auch Zustimmung von Seiten einiger angereister Lehrkräfte kam uns zu Gute.
Eine Berufsinformationsbörse funktioniert auch ohne Werbung für Krieg. Sicher sogar besser!
Die Schriftsteller können nicht so schnell schreiben, wie die Regierungen Kriege machen; denn das Schreiben verlangt Denkarbeit.
Bertolt Brecht
